Kryotherapie  

Hintergrund

Die Kryotherapie, zu Deutsch Kältetherapie, wird seit der Antike für die Behandlung verschiedenster körperlicher Beschwerden eingesetzt.  
Sie gehört zur Gruppe der Thermotherapien und kann entweder lokal oder ganzheitlich angewendet werden. Die Temperaturen reichen dabei von -120°C bis +15°C.  

Effekte der Kryotherapie 

  1. Verminderung der Durchblutung
    Durch die Kälteeinwirkung auf das Gewebe ziehen sich oberflächlich und folglich auch tiefergehende Blutgefäße zusammen. Dies beugt zum einen der Bildung von Ödemen vor, vermindert aber auch den Einfluss potentiell schädlicher Medikamente (Chemotherapie) auf das therapierte Gewebe.  
  2. Hemmung von Entzündungen
    Um entzündliche Prozesse zu hemmen, sollte die Kryotherapie über einen längeren Zeitraum (mind. 30 Minuten) angewendet werden.  
  3. Linderung von Schmerzen 
    Die Temperaturverringerung der Haut bzw. des Gewebes führen zu einer erniedrigten Empfindsamkeit. Dies trägt zu einer effektiven Schmerzlinderung bei.  
  4. Änderung der Muskelspannung (Tonus) 
    In den ersten Minuten der Kryotherapie erhöht sich für gewöhnlich der Muskeltonus. Er nimmt aber nach etwa 15-20 Minuten zunehmend ab.

Lokale Kryotherapie bzw. lokale Kryochirugie  

Die lokale Kryotherapie bzw. Kryochirugie kann für eine Vielzahl von Beschwerden eingesetzt werden.  

Beispiele dafür sind:  

  • Prävention und Behandlung von oraler Mukositis  
  • Behandlung von Hautkrebs 
  • Verhinderung der Ausbreitung von Narbengewebe  
  • Therapie von Herzmuskelgewebe bei Herzrhythmusstörungen  
  • Behandlung von Warzen/Blutschwämmchen 

 
Die lokale Kryotherapie kann durchgeführt werden mittels:  

  • Eisgranulat 
  • Eisbeutel 
  • Eisrollen 
  • Kompressen 
  • Eiswürfel 
  • Eisspray 
  • Eisgase 
  • Eiswickel 
  • Kryosonden 

Ganzkörper Kryotherapie 

Wie auch die lokale Kryotherapie hat auch die Ganzkörper Kryotherapie eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten.  
Behandelt werden können Bänder, Gelenke und Muskeln aber auch bei entzündlichen Krankheiten wie Rheuma kann die Therapie sehr nützlich sein.  
Durchgeführt wird die Therapie meist in einer Kältekammer.  
Die Temperatur variiert zwischen -70°C und -120°C.  

Kryotherapie im Mund  

In der Mundregion wird die Kryotherapie hauptsächlich zur Prävention und Behandlung  von oraler Mukositis, einer häufigen Nebenwirkung von Krebstherapien, eingesetzt (1).

Dies kann entweder mit Eiswürfeln, Eislutschern oder mit dem Chemo Mouthpiece erfolgen.

Der Nachteil von Eiswürfeln/Eislutschern ist, dass sie keine gleichmäßige Kühlung für die gesamte Mundhöhle bieten (2, 3).  Außerdem sind sie nicht steril und die Qualität ist stark von der Qualität des Trinkwassers abhängig.  Viele Patient berichten auch von Übelkeit durch das permanente Schlucken des Eiswassers. 

Weiters können Eiswürfel/Eislutscher nur für einige Sekunden im Mund behalten werden, bevor sie unangenehme Empfindungen für Patienten auslösen. 
Eine gute, effektivere Alternative dazu ist das Chemo Mouthpiece.  


Chemo Mouthpiece

Effektivität der Kryotherapie bei oraler Mukositis  

Cochrane, eine wissenschaftliche Gesundheitsplattform, hat 2015 eine Zusammenfassung 14 verschiedener Studien zu „Kryotherapie bei oraler Mukositis“ veröffentlicht.  
Untersucht wurde die Effektivität bei Chemotherapie-induzierter (5-FU) sowie Melphalan-induzierter oraler Mukositis.   


Chemotherapie-induzierte orale Mukositis

  

In einer Population, in welcher statistisch gesehen, 728 von 1000 Patienten orale Mukositis entwickeln würden, konnte diese Zahl praktisch mithilfe von Kryotherapie auf 444 verringert werden. 
Die Zahl der schweren Mukositis Fälle konnte von 300 auf 120 gesenkt werden.   


Melphalan-induzierte orale Mukositis


In einer Population, in welcher statistisch gesehen 824 Patienten orale Mukositis entwickelt hätten, konnte diese Zahl mithilfe von Kryotherapie auf 485 Patienten gesenkt werden.  
 

Die Autoren dieser Zusammenfassung sehen einen klaren Vorteil in der kryotherapeutischen Behandlung von oraler Mukositis verglichen zu anderen Behandlungsmethoden oder keiner therapeutischen Behandlung. Auch Aufzeichnungen über Nebenwirkungen konnten die Autoren kaum finden. Die meisten Patienten konnten die Therapie ohne Nebenwirkungen zu Ende bringen (4).
 

Die MASCC Guidelines (Multinational Association of Supportive Care in Cancer) empfehlen ebenfalls eine kryotherapeutische Begleitung bei Chemotherapie sowie Melphalan-Therapie, um der Entwicklung von oraler Mukositis vorzubeugen und die Symptome dessen abzuschwächen (5).  


  


Häufige Fragen zu Oraler Mukositis